Kopenhagen

Mitte Jänner durfte ich für meine Firma 14 Tage nach Kopenhagen zu einem Kunden. Eigentlich war der Kunde etwas ausserhalb von Kopenhagen, da aber dort keine Hotels waren, musste ich „leider“ in der Stadt bleiben. Es mag vielleicht ein wenig komisch erscheinen, dass ich nach Europa geschickt werde, obwohl ich in den USA sitze, aber die Gründe dafür sind relativ einfach. Zu allererst habe ich wieder Abteilung gewechselt. Mein letzter Abteilungswechsel liegt eigentlich nur ein halbes Jahr zurück, aber dieser erfolgte fast ausschließlich um mehr Gehalt zu bekommen. Meine Aufgaben wären eigentlich jene gewesen, mit denen sie mich damals in die USA gelockt haben: Zu Kunden gehen und Performance und funktionale Probleme lösen. Passiert ist das allerdings nicht allzu oft, da mein alter Boss mich aus mir teilweise unbekannten Gründen nicht zu den Kunden gehen lassen wollte. Naja, jetzt war ich ein halbes Jahr bei der Services-Abteilung, also jene Abteilung die beim Kunden sitzt und dort die kundenspezifischen Dinge erledigt, mit dem selben Hintergedanken um den Jungs dort aus zu helfen, sodass sie sich auf ihre Aufgaben konzentrieren können. Dazu ist es jedoch auch nicht gekommen, da wir ein paar Projekte hatten und noch immer haben die buchstäblich komplett im Dreck stecken. Warum ist ein anderes Thema aber für die Ex-GSler unter den Lesern: Besser is natürlich nicht wordn in den letzten Jahren! 😉 Mit Jahresanfang wurde dann weiter oben in der Entscheidungskette beschlossen ein Team zu bilden mit jenen Aufgaben die eigentlich den meinen der letzten 6 Monaten entsprechen. Tja, und so schnell gehts und ich bin wieder in einer anderen Abteilung. Diese Abteilung existiert und agiert jedoch global, also ist mein Aufgabenbereich nicht mehr nur USA, sondern über die ganze Welt verstreut. Und wie es der Zufall so will, mag der Rest der Welt scheinbar meine indischen Arbeitskollegen (auch) nicht, da jeder von denen ein Visum für so ziemlich ein jedes Land braucht! Was soviel heißt wie dass ich mit meiner E.U. Staatsbürgerschaft den ersten Preis im Europafliegen gewonnen habe. So, lange Einleitung, aber nun zum Wesentlichen!

Ich schäme mich ja fast es zu sagen, aber ich bin in Europa eigentlich noch nicht recht viel herum gekommen. Das mag vielleicht komisch klingen für jene die wissen, wo ich in den letzten 2 1/2 Jahren mich den überall rum getrieben habe, aber das liegt wohl daran, dass meine Vorstellungen von Urlaub früher ein bisschen anders aus sahen als jetzt. Desto weniger überraschend ist es, dass auch Kopenhagen bzw. Dänemark zu den weißen Flecken auf meiner Landkarte zählte. Nun ja, dem wurde nun Dank meiner Firma Abhilfe verschaffen – und das für mich sogar ziemlich billig. Wer schon mal in Kopenhagen war, weiß wie teuer es eigentlich ist – UNGLAUBLICH! Und ich rede jetzt nicht nur von Alkohol, wofür die skandinavischen Länder ja bekannt sind. Nein, auch das normale Leben, einfach alles etwas teurer. So bekommt man dort ein Stück Pizza beim Bahnhofs-Pizzastand nicht mal mehr unter 7 – 8 Euro und das war das Billigste, was ich entdecken konnte. Einmal Gasthaus gehen kommt gleich mal auf 30 Euro, wenn man eine Mahlzeit und ein Getränk ein nimmt. Ich weiß ja nicht, ob sich die Preise in Österreich drastisch gesteigert haben die letzten 2 Jahre, aber für mich ist das zumindest im Vergleich mit New York teuer.
Der Lebensunterhalt mag zwar teurer gewesen sein als in Österreich, das Wetter war jedoch wärmer. Am Anfang haben mir viele bei -16 Grad frierende Österreicher nicht geglaubt, als ich ihnen sagte, dass es gerade mal -2 Grad hat und sich die Dänen über diese „Mortskälte“ schon auf regen, auch mich hat es am Anfang verwundert. Immerhin liegt ja Kopenhagen weit nördlicher als London und es sollte dort oben ja saukalt sein, ist es aber nicht. Der Grund dafür ist die Seehöhe von Dänemark. Die beträgt nämlich quasi gar nix! Das Land hat keine Berge und Kopenhagen selbst liegt am Meer. Ergo, nicht so kalt wie man vielleicht vermutet. Nachteil an dem Ganzen: Sie schaffen es auch kaum über 25 Grad im Sommer, was mir Einheimische erzählten. Ein weiterer interessanter Fakt ist die Lage von Kopenhagen. Wer auf der Landkarte nach schaut, sieht dass die dänische Landeshauptstadt eigentlich komplett am östlichen Ende des Staates liegt – erinnert ein bisschen an Wien! Und noch interessanter ist die Tatsache, dass sich ein paar Kilometer entfernt schon das schwedische Festland befindet. Nicht gerade ein strategisch guter Punkt auf der Landkarte um die Landeshauptstadt zu verteidigen, wenn man sich ein paar Hundert Jahre zurück versetzt. Wenn man jedoch in der Geschichte zurück blickt, macht es allerdings sehr wohl Sinn. Dänemark war nicht immer gleich Dänemark was die Größe betrifft. Zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert waren die Dänen auch bekannt als Wikinger. Der Einflussbereich der Wikinger erstreckten sich damals von Norwegen, Schweden und Dänemark bis über Nord-Deutschland, sowie Teile von Frankreich und England – und darüber hinaus. Nach dem Wikinger Zeitalter erstreckte sich Dänemark noch immer über Nord-Deutschland bis hin nach Schweden. Das sollte sich allerdings ändern als Dänemark bei Auseinandersetzungen mit Schweden im 17. Jahrundert unterlag.
Während Kopenhagen Anfangs nicht die Landeshauptstadt Dänemarks war, wurde sie von Bischof Absalon, damaliger Berater und Heerführer des Königs, wegen des ausgezeichnet natürlich vorhandenen Hafens für die Handelsmänner gegründet. Das spiegelt sich auch im Namen der Stadt wieder: Im Mitteldänischen heißt die Stadt „Køpmannæhafn“, was sich auf „Kaufmannshafen“ übersetzt. Erst später im Jahre 1416 wurde die Stadt schließlich zur Residenz des Königs und somit das Zentrum von Dänemark. Apropos König: Dänemark hat nach wie vor so wie England und Norwegen eine Monarchenfamilie sowie ein Parlament, welches die Staatsführung übernimmt.
Eine kleine Besonderheit bietet Kopenhagen dann noch, und zwar den Stadtteil Christiania. Dieser Stadtteil war früher ein Gelände für die dänische Marine. Später wurde sie dann vom König an die Bevölkerung gegeben, allerdings war die Gegend eher sumpfig und keiner wollte dort so recht hin. Darauf hin haben sich ein paar Menschen dann doch dort hin verirrt mit der Absicht nicht gefunden zu werden. Heutzutage ist Christiania quasi eine Art Freistaat. Die Dänen scheren sich nicht allzu viel um die Einwohner und umgekehrt. Das ist auch der Grund warum es quasi ein „zweites Amsterdam“ genannt wird, da dort der Marihuanahandel auf blüht.

So, für alle, die sich vielleicht über die letzten paar eher kurzen Beiträge geärgert haben, sollte dieser Berricht mehr als genug Lesestoff beinhalten, sowie ein wenig europäische Geschichte, das dem einen oder anderen vielleicht noch ab ging. Wer sich wirklich alles durch gelesen hat, möge bitte einen Kommentar hinterlassen, bin gespannt wieviel fleißige und faule Leser ich habe! 🙂 Zum vielen Text gibt es natürlich auch viele, viele Bilder. Aber das solltet ihr eigentlich eh schon von mir gewohnt sein. Kopenhagen gab mir sogar einen Meilenstein im Foto machen. So habe ich während meines Aufenthaltes mein 10 000. Foto mit meiner Canon IXUS 85 IS geschossen! Zum Schluss noch ein paar Fakten über Kopenhagen:

  • Gegründet: 1167
  • Erstes Stadtrecht: 1254
  • Königsresidenz: 1416
  • Einwohner (2011): 539 542
  • Seehöhe: 24m
  • Stadtgliederung: 15 Bezirke

Kopenhagener Börse

Die Meerjungfrau – irgendwie ist die das Highlight von Kopenhagen, warum weiß ich leider auch nicht.

Ui ui, des schaut noch wie vom 2. Weltkrieg aus!

Mein persönlicher Tourguide Maja, gebürtige Dänin.

Christiania

Bischof Absalon, Gründer von Kopenhagen

Dänisches Parlament

Rathaus

Opernhaus

Das beste (und vermutlich teuerste) Restaurant der Welt: Noma

Königspalast

Das gute alte Smörebröd… wer hätte gedacht, dass das eigentlich nur Wurstbrot heißt! 😀

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert